Produktivität steigern – mit dem “Eat that frog” Prinzip

Frosch zum Frühstück

Einen Frosch zum Frühstück für mehr Produktivität?

Endlich mal wieder etwas Neues und Revolutionäres aus dem Ernährungsbereich?

Besondere Nährstoffe im Froschfleisch für mehr Konzentration?

Nein, sicher bist du nicht auf diesen Titel reingefallen. Wie du siehst habe ich diesen Artikel nicht in die Kategorie Ernährung eingetragen.

Spaß beiseite – Eat that frog ist eine Metapher / eine Methode zur Erhöhung der Produktivität. Das Prinzip lässt sich am besten in eine Morgenroutine integrieren. Passend zum Thema gibt es auch ein gleichnamiges Buch von Brain Tracy*, indem er 21 Wege beschreibt Prokrastination (ugs. Aufschieberitis) stoppen.

Um die Methode zu beschreiben möchte ich gern Mark Twain zitieren:

„[…]  if the first thing you do each morning is to eat a live frog, you can go through the day with the satisfaction of knowing that that is probably the worst thing that is going to happen to you all day long.”

Sinngemäß bedeutet dies, wenn du jeden Morgen zuerst mit der Aufgabe beginnst, die für dich am schwierigsten zu bewältigen ist (“einen Frosch essen“), dann kannst du mit der Einstellung durch den Tag gehen, dass du von da an jeder Aufgabe des Tages gewachsen bist.

Doch bevor ich dieses Prinzip näher beschreibe hole ich noch etwas aus.

Ablenkung lauert überall

Viele von uns unterliegen dem Phänomen vorstehende Aufgaben zu lange aufzuschieben. Die To-do Liste wird immer länger, so lange bis der Druck am größten ist, weil nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht. Immer häufiger fallen die Worte Aufschieberits oder Prokrastination – eine Arbeitsstörung gekennzeichnet durch unnötiges Vertagen von Aufgaben. In Zeiten von Social Media und co. ist dies natürlich eine präsente Thematik.

Während meines Studiums war das sozusagen meine Hauptstrategie. Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen habe ich immer frühestens drei Tage vorher begonnen. Ich muss sagen, dass das auch immer prima funktioniert hat. Wenn ich gefragt wurde, warum ich das denn so handhabe, war meine Antwort „Ich brauche den Druck“ – das kommt dir sicher bekannt vor.

Parkinson’sches Gesetz für mehr Produktivität

Ich war sogar ziemlich stolz darauf, denn ich habe alles in kürzester Zeit erledigen können. Denn das Positive daran war, dass man sozusagen unbewusst nach dem Parkinson’schen Gesetz gehandelt hat:

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

Wenn uns also nur wenig Zeit zur Erledigung der Aufgaben bleibt, dann sind wir dazu angehalten, möglichst effektiv zu arbeiten. Haben wir uns viel Zeit gesetzt, dann nehmen wir uns meist auch genau diese Zeit, um die Aufgabe zu erfüllen – die Produktivität ist dann oft verringert und wir verlieren uns in Perfektionismus oder in Kleinigkeiten, die der Lösung der Aufgabe nicht dienlich sind.

Soweit so gut.

Unerledigtes als Ressourcenfresser

Doch das Negative daran ist, dass der Rucksack, den wir mit uns tragen durch das Aufschieben von Arbeitsaufgaben immer schwerer wird.

Ich hatte oft das gesamte Semester wenig zu tun und Zeit für zwei Nebenjobs. Aber im Hinterkopf hatte ich immer die bevorstehenden schweren Aufgaben – sie fressen ständig Ressourcen.

Stell dir vor du lässt im Hintergrund deines PC’s ein grafisch hochauflösendes Spiel laufen. Es frisst so viel Arbeitsspeicher, dass du nebenbei keinen Film auf demselben PC schauen könntest. Er würde unscharf werden und ins Stocken kommen. Obwohl das Spiel nur im Hintergrund läuft und es gar nicht benutzt wird, schränkt es die Leistung deines PC’s ein. Und genauso spiegelt sich diese Problematik in deinem Gehirn wieder.

Du kannst zwar dennoch andere Aufgaben ausführen, aber der Arbeitsspeicher ist begrenzt, da du deinen Frosch, also die Aufgabe, die du vor dir herschiebst, im Hinterkopf als Ressourcenfresser hast.

Im Studium, im Beruf wie im Privatleben sind wir zahlreichen Ablenkungen ausgesetzt: Kollegen, Telefonate und vor allem Social Media und unser Handy. So kommt es, dass wir den Blick für das Wesentliche verlieren und die Prioritäten nach hinten verschieben.

Wenn man in einem Beruf arbeitet, der viel Spielraum für Ablenkungen zulässt, ist dies ein besonderes Hindernis.

Und genau hier setzt das oben erwähnte Sprichwort an. Wenn wir als aller erstes mit der Aufgabe beginnen, die in unserem Kopf die meisten Ressourcen frisst, dann sind wir über den Tag viel freier im Denken.

Der frühe Morgen ist dafür die beste Zeit.

Eat that Frog – als Bestandteil der Morgenroutine

Als Bestandteil der Morgenroutine sollten wir zuerst den Frosch essen.

Also die Aufgabe, die für uns am glitschigsten ist – die am meisten vor uns herspringt.

Genau dann haben wir die Chance den Ballast langfristig zu minimieren, den wir durch unseren Tag tragen.

Wir sind alle mit Stolz erfüllt, wenn wir große Hürden genommen haben. Es versetzt uns in einen Rausch voller Glücksgefühle und gibt uns den nötigen Motivationsschub und das Selbstvertrauen weiter zu machen und die nächsten Aufgaben zu bewältigen, die uns dann viel leichter von der Hand gehen – ein wahrer Booster für mehr Produktivität.

Jetzt stell dir einmal vor, wie dein Tag aussehen würde, wenn du jeden Morgen mit diesem Gefühl in den Tag starten könntest. Morgens können wir hohe Konzentration aufbringen und haben eine unbändige Willenskraft. Diese Energie können wir gut nutzen um die schwierigste Aufgabe anzugehen. Und nach dem beschrieben Prinzip entsteht daraus noch mehr Energie.

Klar – du wirst wahrscheinlich nicht alles an einem Morgen erledigen, aber wenn du dir dieses Prinzip zur Gewohnheit machst, dann kommst du dem Ziel immer näher und kannst jeden Morgen einen Schritt darauf zugehen und stolz darauf sein.

Welche Aufgaben das sind, ist dir überlassen. Du kannst an deiner Steuererklärung arbeiten, du kannst Sport machen, du kannst eine neue Fähigkeit erlernen oder kalt duschen.

Hauptsache du tust etwas, was dir immer im Hinterkopf schwebt und dir sonst keine Ruhe lassen würde.

Schlussendlich kombinieren wir hier beide Prinzipien: Eat that frog und das Parkinson’sche Gesetz. Du nimmst dir also jeden Morgen diejenige Aufgabe, welche für dich am meisten brennt und hast dir ein festes Zeitfenster für die Erledigung der selbigen gesetzt (bei größeren Projekten genügt auch das erledigen von Teilaufgaben). Somit bleibt keine Zeit für Spielereien und Kaffeekränzchen – denn am Morgen kannst du ungestört arbeiten.

Jeder hat seinen Frosch

Eine Zeit lang war für mich das Meditieren der Frosch. Ich wollte es erlernen, habe es aber schon mindestens ein Jahr vor mir hergeschoben. Unregelmäßig habe ich mich zu Techniken belesen und war entschlossen endlich loszulegen. Einige Nachmittage saß ich da und meditierte. Doch irgendwie habe ich diesen Frosch nie zu greifen bekommen. Ich hatte immer eine Ausrede oder eine neue Kleinigkeit, die mich von meinem Ziel abhielt – der Frosch ist mir immer aus den Händen gerutscht.

Erst als ich die Meditation in meine Morgenroutine integriert habe, machte ich Fortschritte. Anfangs wollte ich auch hier nach Ausreden suchen. Ich könnte das Frühstück mehr ausdehnen, die Sitzposition ist unbequem, ich verliere mich in Gedanken…

Der Frosch hat sozusagen einfach nicht geschmeckt. Aber ich hatte mir dieses feste Zeitfenster gesetzt – Ausreden waren tabu. So war ich jedes Mal war ich stolz darauf, diese Aufgabe gemeistert zu haben. Die Glücksgefühle und Verbesserung meiner Fähigkeit zu meditieren war ein guter Start in den Tag.

Mittlerweile fühlt es sich gar nicht mehr wie ein Frosch an. Die Aufgabe ist zur Gewohnheit geworden und ich habe sie fest in meinen Morgen integriert. Die Erledigung frisst keine Ressourcen mehr – genau das ist die Stärke der Morgenroutine.

Dann ist es Zeit sich neue Aufgaben zu suchen – Frösche gibt es schließlich zahlreiche.

…Moment hier hüpft grad einer vorbei. Schluss mit Schreiben – die Steuererklärung quakt…

Du hast noch Zeit? Hier findest du einen weiteren Booster für deine Produktivität.

Ich wünsche dir einen guten Start in den Tag.

Martin

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